Parodontalerkrankung

Parodontalerkrankung ist eine echte Volkskrankheit

Parodontalerkrankungen sind der Hauptgrund, dass jenseits des 30. Lebensjahres Zähne verloren gehen und somit Zahnersatz notwendig wird.

Ein Zahn ist mit seinem Zahnbett im Kieferknochen verankert, ähnlich wie ein Zaunpfahl im Erdreich. Sind mehr als zwei Drittel im Untergrund verankert, ergibt dies einen sicheren Halt. Ist nur ein Drittel im Erdreich verankert, beginnt der Pfahl zu schwanken. Das gleiche gilt für die Zähne.

Parodontalerkrankung bedeutet, dass die Umgebung des Zahnes erkrankt ist. Das Weichgewebe und der Knochen um die Zahnwurzel herum werden als Parodontium bezeichnet. Wenn sich das Gewebe abbaut, verliert der Zahn seinen Halt. Das Ende ist Zahnausfall. Zu betonen ist, dass eine Parodontalerkrankung keine Beschwerden macht, erst im Endstadium durch die starke Zahnlockerung.

Parodontalerkrankungen werden durch bakteriellen Zahnbelag ausgelöst (Plaque). Die Plaque ist eine weiße, zähe Masse, die sich tagtäglich auf den Zähnen bildet. Plaque enthält pro mg Nassgewicht 1.000.000 bis 100.000.000 Bakterien! Die Plaque ist so zäh, dass sie durch Mundausspülen nicht zu entfernen ist.

Wenn die Plaque nicht täglich häufig und sorgfältig genug entfernt wird, führt sie neben Karies (Löchern) zu Entzündung des Zahnfleisches. Das Zahnfleisch blutet bei Berührung. Blut bedeutet bis auf wenige Ausnahmen in der Medizin immer Erkrankung!

Das Auftreten von Blutungen im Mund stellt eines der wichtigsten Warnzeichen dar. Eine Parodontalerkrankung beginnt immer mit einer solchen Zahnfleischentzündung. Gesundes Zahnfleisch ist hellrosa und liegt dem Zahn eng an.

Das entzündete Zahnfleisch ist gerötet und geschwollen (schmerzlos), verdeckt den Krankheitsprozess und täuscht dem Patienten scheinbare Gesundheit vor.

Dieser Zustand kann manchmal ein Leben lang bestehen bleiben ohne weitere Folgen. Ob es Folgen gibt, hängt von weiteren Risikofaktoren ab, denen der einzelne Mensch ausgesetzt ist, z. B. Rauchen, Allgemeinerkrankungen wie Diabetes, erbliche Faktoren, Körperabwehr etc.

Der größte Risikofaktor ist allerdings immer der bakterielle Zahnbelag. Ohne bakteriellen Zahnbelag entsteht keine Parodontalerkrankung. Solange ein Gleichgewicht besteht zwischen bakteriellem Angriff und der Körperabwehr, bleibt die Zahnfleischentzündung ohne Folgen.

Geht das Gleichgewicht verloren, passiert folgendes:

Da das entzündete Zahnfleisch nicht mehr dem Zahn eng anliegt, schiebt der Zahnbelag sich unter das Zahnfleisch und verhärtet zum Teil auf der Wurzeloberfläche. Hier ist er für den Patienten nicht zu entfernen. Es bildet sich eine Tasche aus. Der weiche und harte Zahnbelag unter dem Zahnfleisch schiebt sich immer weiter in die Tiefe wie ein Stoßkeil. Der Knochen baut sich daraufhin ab. Der Zahn verliert mehr und mehr seinen Halt. Schließlich fällt er aus.

Welche Folgen kann Parodontitis außer Zahnverlust haben?

Die Parodontalerkrankung ist jedoch keine auf den Mundraum beschränkte Krankheit, sondern beeinflusst den gesamten Organismus. Die zuerst im Mund befindlichen Bakterien gelangen über das entzündlich veränderte und aufgelockerte Zahnfleisch in die Blutbahn.

Über den Blutweg haben die Bakterien Einfluss auf den ganzen Körper und stellen so ein hohes Risiko für die allgemeine Gesundheit dar. Zahlreiche wissenschaftliche Studien beschreiben den Zusammenhang der unbehandelten Parodontose mit verschiedenen Allgemeinerkrankungen.
Das Ziel der Behandlung ist es, den weiteren Fortgang der Erkrankung zu stoppen. Das Gleichgewicht zwischen Bakterien und Abwehr muß wieder hergestellt werden. Da wir in die Körperabwehr kaum eingreifen können, muß sich die Behandlung darauf abzielen, die Bakterien gering zu halten. D.h. Die Beläge müssen besser entfernt werden.

Die Mundgesundheitsstudie von 1999 hat ergeben: Wenn sich die Zahnputzgewohnheit des Patienten nicht ändert, hat die ganze Parodontalbehandlung keinen Erfolg. Es ist nicht so wie bei z. B. einer Füllungsbehandlung: Der Patient kommt, öffnet den Mund, zahlt ggf. etwas zu und der Behandler macht alles allein, mit seiner Hände Arbeit.

Bei der Parodontalbehandlung tut das meiste der Patient, wir helfen nur. Ähnlich wie bei einer Geburt. Sie bekommen das Kind, Hebamme und Arzt helfen dabei.

Desweiteren ist es so, daß die Parodontalbehandlung nie endet. Der Patient bedarf einer lebenslangen Nachkontrolle (Erhaltungstherapie), um Rückfälle zu vermeiden.

Die Behandlung

Mundhygienephase

Sie bekommen 2 Termine bei unserer Prophylaxehelferin. Sie bestimmt jedesmal den Entzündungsgrad Ihres Zahnfleisches, färbt die Zahnbeläge an, so daß sie Sie beide sie sehen können, zeigt Ihnen die „Schwachstellen" Ihres Zähneputzens, zeigt und übt mit Ihnen die richtige Zahnputztechnik und die Reinigung der Zahnzwischenräume, reinigt dann anschließend Ihre Zähne gründlich (professionelle Zahnreinigung), glättet und poliert die Zähne, so dass sich weniger Belag anhaften kann und trägt dann ein stark fluoridhaltiges Mittel auf die Zähne auf, um den Zahnschmelz widerstandsfähiger zu machen.

Sie versuchen zu Hause, das Gelernte so gut Sie können anzuwenden und sich zur Gewohnheit zu machen. Während dieser Phase klingt die Zahnfleischentzündung ab. Sie werden erkennen, wie das Zahnfleisch sich strafft und die Blutung aufhört. Ihr Atem wird frischer. Diese Behandlung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse nicht, sie ist jedoch zwingend erforderlich, damit die nun folgende Behandlung überhaupt erfolgreich ist.

Befunderhebung und Antragstellung bei Ihrer Krankenkasse

Ich messe an 4 Stellen pro Zahn die Tiefe der Taschen und erhebe noch andere wichtige Befunde. Ggf. müssen aktuelle Röntgenaufnahmen angefertigt werden. Diese Untersuchung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse.

Zusätzlich ist es empfehlenswert, zu diesem Zeitpunkt Ihr individuelles Risiko für Parodontalerkrankungen bestimmen zu lassen. Hierzu werden die Untersuchungsergebnisse rechnerisch ausgewertet. Das dient dazu zu ermitteln, wie häufig pro Jahr Sie mit Ihrem individuellen Risiko zur Nachsorge kommen sollten. Das vermeidet eine Überbehandlung in der Zukunft (und somit unnötige Ausgaben für Sie) oder eine Unterbehandlung (und somit einen Fortgang der Erkrankung). Diese Risikoabschätzung übernimmt die gesetzliche Krankenkasse nicht, sie ist jedoch sehr sinnvoll, weil die Ermittlung des für Sie richtigen Nachsorgeintervalls den Behandlungserfolg sichert und unnötige Ausgaben vermeidet.

Ich beantrage für die Zähne mit vertieften Taschen die folgende Behandlung:

Belagsentfernung unter dem Zahnfleisch

An den betroffenen Zähnen wird das Zahnfleisch etwas betäubt. Dann werden mit feinen Instrumenten und mit Ultraschall die Ablagerungen unter dem Zahnfleisch entfernt, indem die feinen Instrumente vorsichtig unter das betäubte Zahnfleisch geschoben werden und die Ablagerungen abgeschabt werden. Diese Behandlung wird übernommen von den gesetzlichen Krankenkassen.

Ich empfehle Ihnen zusätzlich, die Taschen bei dieser Behandlung mit einer antibakteriellen Lösung spülen zu lassen und ein antibakterielles Gel in die Taschen einbringen zu lassen, um die Infektion besser in den Griff zu bekommen.

Anschließend setzten wir individuell für Ihren Oberkiefer und Ihren Unterkiefer angefertigte Trägerschienen ein, die mit diesen antibakteriellen Gel gefüllt sind.

Diese Schienen sollten Sie zu Hause dauerhaft 2x pro Woche mit Gel beschichten und 15 Min. tragen, um einen Langzeiterfolg zu unterstützen. Der Erfolg einer solchen unterstützenden antibakteriellen Behandlung ist wissenschaftlich belegt (im Gegensatz zu einer Laser-Behandlung der Taschen, welche wir deshalb auch nicht anbieten). Diese antibakterielle Behandlung sowie die Mittel, die Sie zu Hause anwenden, werden nicht von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen, jedoch wird die Behandlung dadurch ganz entscheidend unterstützt.

Nach ca. 3 Monaten wird eine Nachuntersuchung stattfinden. Besonders tiefe Taschen müssen zu einem späteren Zeitpunkt evtl. nachgereinigt werden, was erneut bei der Krankenkasse zu beantragen ist.

Erhaltungstherapie

Je nach Ihrem individuellen Risiko, das wir zuvor bestimmt haben, ist es erforderlich, dass 2-4 mal pro Jahr Ihre Zähne durch unsere Mitarbeiterin professionell gereinigt werden so wie Sie es aus der anfänglichen Mundhygienephase kennen. Zusätzlich erhalten Sie bei diesen Terminen eine Kontrolle Ihrer Zahnputzerfolge und ,wenn nötig, eine erneute Demonstration der Zahnputztechnik sowie eine Fluoridbehandlung. Die Erhaltungstherapie ist neben der möglichst perfekten häuslichen Mundhygiene das allerwichtigste bei der Parodontalbehandlung.

Ohne Erhaltungstherapie gleitet jeder Patient wieder in seine alten Gewohnheiten ab, d.h. putzt schlechter, die Erkrankung schreitet wieder fort. Auch bei perfekter Mundhygiene hat jedermann kleine „Dreckecken" im Mund, die einfach nachgereinigt werden müssen. Ansonsten schreitet an genau diesen Stellen die Erkrankung wieder voran. Zusätzlich ist es unverzichtbar, die Untersuchungen aus Schritt 2 zweimal jährlich zahnärztlich durchfuhren zu lassen, um eine Verschlechterung des Krankheitsbildes rechtzeitig zu erkennen und behandlen zu können. Die gesamte Erhaltungstherapie ist keine Leistung der gesetzlichen Krankenkassen, obwohl sie unverzichtbar ist.

Bei manchen Patienten kann es sinnvoll sein, weitere Eingriffe und Untersuchungen (z. B. Keimbestimmungen im Labor) vorzunehmen. Es sprengt den Rahmen dieser Information, diese Maßnahmen alle zu erläutern. Im Einzelfall wird Ihnen dies genau erklärt werden, falls es überhaupt notwendig ist, diese weiteren Maßnahmen zu ergreifen.

Bitte stellen Sie sich selbst die Frage, wie wertvoll Ihre Zähne und Ihre allgemeine Gesundheit (Sie erinnern sich an die möglichen Folgeerkrankungen) für Sie sind. Ob Sie vor allem bereit sind, alte Gewohnheiten zu ändern und zur Nachsorge regelmäßig, d.h. in den empfohlenen Zeitabständen zu kommen. Und ob Sie letztendlich bereit sind, für den Erhalt Ihrer Zähne Geld einzuplanen. Wenn Sie dazu bereit sind, tun Sie sich selber den größten Gefallen. Kein (teurer) Ersatz ist so gut wie die eigenen Zähne. Karies ist die andere große Erkrankung, die zu Zahnverlust führt, zumindest aber vorher zu Füllungen und Wurzelkanalbehandlungen. Die einzige Ursache der Karies ist ebenfalls der Zahnbelag. Bekommen Sie Ihren Zahnbelag in den Griff, haben Sie nicht nur Ihre Parodontalerkrankung, sondern auch Ihre Karies im Griff. Zahnerhaltung sollte auch gerade in Zeiten immer dünner werdender Kassenleistungen von besonderem Interesse sein.

Gemeinschaftspraxis
Dr. Jörg Umfermann MOM, M.Sc.
Dr. Isabel Hespe-Umfermann

Standort Oerlinghausen
Hauptstr. 7a
33813 Oerlinghausen
Tel. +49 5202 6454


Standort Heiligenkirchen
Paderborner Str. 36
32760 Detmold
Tel +49 5231 3077110

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Aufnahmebogen

Wir möchten Sie bitten, sich den Aufnahmebogen auszudrucken und in Ruhe zu Hause auszufüllen. Bitte, bringen Sie diesen zum ersten Termin mit. Alle Daten unterliegen selbstverständlich der ärztlichen Schweigepflicht.